Norwegian Soloists’ Choir · Yuval Weinberg
Norwegian Soloists’ Choir
Yuval Weinberg, Dirigent
Der Norwegian Soloists’ Choir ist mit seinem Leiter Yuval Weinberg erstmals beim Musikfest ION zu erleben. Im Zentrum steht David Langs preisgekrönte „The Little Match Girl Passion“, die Hans Christian Andersens Märchen vom kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern aufgreift. In einer kalten Silvesternacht friert das Kind, während die Menschen an ihm vorübergehen. Lang orientiert sich musikalisch an der Passionsform, wie man sie von Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion kennt. Dazu erklingen Bachs Motetten Komm, Jesu, komm und Singet dem Herrn ein neues Lied sowie norwegische Volkslieder. So verbinden sich in diesem Konzert eine zeitgenössische Passion, Bachs ausdrucksstarke Motetten und die schlichte Unmittelbarkeit norwegischer Volkslieder.
Tickets: 20-60€
Digitale Konzertmappe
Der Norwegian Soloists’ Choir ist ein innovatives junges Ensemble mit einer reichen Geschichte. Als einer der führenden Kammerchöre Europas gibt er spektakuläre Konzerte in Norwegen und im Ausland – in Konzerthäusern und Kirchen, in Wohnwagen und verlassenen Fabrikhallen.
Der Norwegian Soloists’ Choir besteht aus 26 handverlesenen professionellen Sänger:innen, die über eine außergewöhnliche Fähigkeit verfügen, ihre Stimmen miteinander zu verschmelzen. So entsteht ein höchst eigenständiger Chorklang. Durch kontinuierliche Weiterentwicklung verfolgt der Chor anspruchsvolle künstlerische Ziele.
Konzerte mit dem Norwegian Soloists’ Choir bieten dem Publikum die Möglichkeit, neue Kompositionen, Volksmusik und Klassiker der nordischen und internationalen Chorliteratur zu erleben – oft in überraschenden Kombinationen. Neben eigenen Konzertreihen tritt der Chor bei bedeutenden Festivals in Norwegen und im Ausland auf. Zahlreiche seiner Alben wurden von der Kritik gefeiert und mit Preisen ausgezeichnet.
Seit seiner Gründung im Jahr 1950 hat der Norwegian Soloists’ Choir eine einzigartige Stellung in der norwegischen Musiklandschaft eingenommen. Knut Nystedt leitete den Chor nicht weniger als 40 Jahre, bevor Grete Pedersen 1990 seine Nachfolge antrat. Sie war 35 Jahre lang Künstlerische Leiterin des Chores. Im August 2026 übernahm Yuval Weinberg die Künstlerische Leitung.
Drei Aufnahmen des Chores wurden mit dem renommierten französischen Preis „Diapason d’or de l’année“ ausgezeichnet. Die Aufnahme Lament erhielt 2020 den Spellemann Award, der häufig als norwegisches Pendant zum Grammy bezeichnet wird. Das Album Meins lebens licht wurde 2015 für den Spellemann Award nominiert. Außerdem wurde der Chor von der norwegischen Komponistengesellschaft zum „Performer of the Year“ ausgezeichnet. 2009 wurde der Norwegian Soloists’ Choir in Tenso aufgenommen, ein exklusives Netzwerk der führenden Kammerchöre Europas.
Yuval Weinberg studierte Chordirigieren an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin bei Jörg-Peter Weigle sowie an der Norwegischen Musikhochschule in Oslo bei Grete Pedersen. Er sammelte internationale Erfahrungen mit renommierten Ensembles. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Diapason d’or und den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Er ist Chefdirigent des SWR Vokalensembles.
Weinberg steht für musikalische Exzellenz, Innovation und ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl. In seiner Arbeit verbindet er künstlerische Neugier, menschliche Wärme und kulturelle Offenheit. Mit seiner Ernennung beginnt für den Norwegian Soloists’ Choir ein neues Kapitel.
Ich wollte eine Geschichte erzählen. Eine ganz bestimmte Geschichte – nämlich die Geschichte vom kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen. Das Original ist vordergründig eine Kindergeschichte und besitzt jene erschütternde Verbindung von Gefahr und Moral, die viele berühmte Geschichten für Kinder auszeichnet. Ein armes kleines Mädchen, das von seinem Vater geschlagen wird, versucht vergeblich, auf der Straße Streichhölzer zu verkaufen. Niemand beachtet es, schließlich erfriert es. Und doch bewahrt es sich die ganze Zeit hindurch auf geheimnisvolle Weise seine christliche Reinheit des Geistes. Es ist keine schöne Geschichte.
Was mich am kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern fasziniert, ist, dass die Stärke der Geschichte nicht in ihrer Handlung liegt, sondern darin, dass all ihre Elemente – das Grauen ebenso wie die Schönheit – ständig von ihren jeweiligen Gegensätzen durchdrungen sind. Die bittere Gegenwart des Mädchens ist untrennbar mit der Süße seiner vergangenen Erinnerungen verbunden; seine Armut ist stets von Hoffnung durchwirkt. Zwischen Leid und Hoffnung besteht eine Art naives Gleichgewicht.
Es gibt viele Möglichkeiten, diese Geschichte zu erzählen. Man könnte sie überzeugend als Geschichte über den Glauben erzählen oder als Allegorie auf die Armut. Mich hat jedoch immer interessiert, dass Andersen seine Geschichte wie eine Art Parabel erzählt und dabei eine religiöse und moralische Gleichsetzung zwischen dem Leiden des armen Mädchens und dem Leiden Jesu herstellt. Das Mädchen leidet, wird von der Menge verachtet, stirbt und wird verklärt. Ich begann mich zu fragen, welche Geheimnisse sich aus dieser Geschichte erschließen ließen, wenn man ihre christliche Dimension konsequent zu Ende dächte und sie auf dieselbe Weise entfaltete, wie christliche Komponisten traditionell in musikalischen Passionen die Geschichte vom Leiden Jesu gestaltet haben.
Das Interessanteste an der Erzählform der Passion ist, dass sie neben der eigentlichen Geschichte auch andere Texte aufnehmen kann. Es sind Texte, die auf das Geschehen reagieren: Gedanken der Buße, Äußerungen allgemeiner Trauer, des Erschreckens oder der Reue. Sie sind Wegweiser der Andacht, Markierungen für unsere eigenen Reaktionen auf die Geschichte. Dadurch wird das Publikum zu mehr als bloßen Zuschauer:innen des auf der Bühne dargestellten Leidens. Diese Reaktionen können eine enorme Bandbreite haben. In Bachs „Matthäus-Passion“ reicht sie von den berühmten Chorälen, bei denen erwartet wurde, dass die Gemeinde mitsingt, bis hin zu vollständig erfundenen Figuren wie der „Tochter Zion“ und dem „Chor der Gläubigen“. Das Prinzip der Passion – eine Geschichte zu erzählen und sie zugleich zu kommentieren – versetzt uns mitten hinein ins Geschehen und verleiht der Erzählung eine machtvolle Unausweichlichkeit.




